Horror-Musik: 5 Zutaten für Gänsehaut

Horror MusikWie gebannt starren wir mit weit aufgerissenen Augen auf den Bildschirm in schauriger Erwartung auf die nächsten unheilvollen Szenen. Das Herz schlägt schneller, die Hände werden feucht und dann – schalten wir mal den Ton aus! Auf Tastendruck verschwindet auch dieses beklemmende Gefühl. Bei diesem kleinen Experiment wird uns bewusst, welch gravierenden Einfluss die Musik auf unser Empfinden beim Ansehen eines Horrorfilmes hat. Doch was sind die musikalischen Zutaten, mit denen uns die Filmmusik-Komponisten gekonnt die Haare zu Berge stehen lassen?

Warum wir Horrorfilme lieben

Wir empfinden Angst, während wir häßlichen Monstern oder sadistischen Psychopathen bei ihrem unheilvollen Treiben zusehen – eigentlich kein besonders angenehmes Gefühl. Und trotzdem schalten wir nicht ab sondern schauen gespannt auf den Bildschirm, um zu verfolgen, wie das schreckliche Geschehen seinen Lauf nimmt. Doch wie erklärt sich, dass wir uns freiwillig anschauen, was uns Angst bereitet?

In der Psychologie trägt dieses Phänomen den Namen „Angstlust“, eine Gefühlslage, die aus zwei grundverschiedenen Gefühlen besteht: Auf der einen Seite aus der unangenehmen Angst und auf der anderen Seite aus der Lust, den Nervenkitzel der Angst zu genießen. Diese Form der Lust können wir beim Anschauen eines Horrorfilmes deshalb genießen, weil wir uns bewusst sind, dass das Gezeigte nicht real ist und wir durch dieses Wiessen den nötigen Abstand haben. Würden wir vom Fernseher plötzlich eingesaugt und uns tatsächlich in der dunklen, abgelegenen Gartenhütte befinden, mit der Erwartung, dass wir vielleicht das nächste Opfer des unberechenbaren Serienkillers sein könnten, würde der Anteil der „Lust“ an der „Angstlust“ vermutlich sehr schnell gegen Null laufen. Aber in dem sicheren Wissen, dass alles im Film nur erdacht und nicht real ist, können wir unsere „Angstlust“ beim Horrorfilm in ungefährlicher Atmosphäre genießen – im beruhigenden Wissen, dass wir mit einem Tastendruck die Szene wieder verlassen können, falls der Anteil der „Angst“ an der Angstlust mal überhand gewinnen sollte.

Wie Horror-Musik uns schaudern lässt

Der Horrorfilm lebt durch den Ton: Die Geräusche und die Musik. Sie hauchen dem Film das Leben ein. Allein durch das Betrachten der Bilder, würden wir kaum Angst empfinden – wie wir schnell merken, wenn wir den Ton abstellen. Doch wie schaffen die Komponisten des Grauens es, uns durch den gekonnten Einsatz von Klängen in Angst und Schrecken zu versetzen?

Der Fantasie der Filmmusikkomponisten sind bei der Produktion ihres Soundtracks zum Horrorfilm keine Grenzen gesetzt, jedoch tauchen sie immer wieder auf: Die gängigen Klischees der Horror-Musik. Eine leise Spieluhr, ein naiv arrangiertes Kinderlied oder ein tiefer, dissonanter Ton. Wir stellen euch 5 dieser Klischees vor.

Atonale, dissonante Klänge

Was wir nicht kennen bereitet uns Unbehagen. Dies machen sich die Schöpfer grauenvoller Horror-Musik zunutze. Sie komponieren Melodien und setzen Harmonien ein, die unserem Ohr fremd sind: Also keine wohlklingenden Kadenzen im Stile Mozarts sondern Dissonanzen und atonale Tonfolgen, die das Gewohnte überschreiten und Unbehagen in uns aufkommen lassen.

Ein Beispiel für dissonante Horrormusik aus dem Repertoire von musicfox: Mysterious Flute (MF-47).

Die naive Spieluhr

Kinder gelten gemeinhin als unschuldig. Diese Unschuld lässt sich gut durch den naiven und einfachen Klang einer Spieluhr akustisch darstellen. Wiederfährt einem Kind etwas Böses, so empfinden wir dies als sehr grausam, da tief in uns ein Beschützerinstinkt gegenüber Kindern verwurzelt ist. Das Erklingen einer naiven Spieluhren-Melodie unterstreicht dieses Empfinden und lässt uns die grauenvollen Bilder der armen Kinder noch schrecklicher erscheinen.

Auch das Gegenteil ist möglich: Filme, in denen das Kind zum bedrohlichen Wesen und Quell des Unheils wird. Auch dort wird oft das Spieluhren-Klischee eingesetzt – als Kontrast zu den Grausamkeiten, die vom Kind ausgehen. Die naive Melodie und die Grausamkeiten passen in unserem Empfinden nicht zusammen und wirken daher verstörend.

Ein Musikbeispiel für naive Spieluhrenmusik aus dem Repertoire von musicfox ist Childrens Room (MF-153).

Geistliche Musik

Religion – die Verbindung der Menschen zum überirdischen Unbegreiflichen. Geistliche Musik, wie beispielsweise die beeindruckend tiefen Töne einer großen Kirchenorgel oder der Chorgesang in der hallenden Kirche, haben eine besondere Wirkung auf uns.

Gerade in Horrorfilmen, die sich mit überirdischer Materie auseinander setzen, wie z.B. „The Ring“, wird oftmals geistliche Musik eingesetzt, die uns zum Schaudern bringt. Dem Überirdischen, Unkontrollierbaren ausgeliefert zu sein, entfacht Angst in uns. Der Bezug zum Überirdischen wird dabei durch die geistliche Musik hergestellt.

Ein geistliches Musikstück aus dem musicfox-Katalog das im entsprechenden Kontext unheimlich wirken kann, ist Voices In Church (MF-1452).

Verstörende Geräuschkulissen

Oftmals hören wir im Hintergrund von Horror-Filmen gar keine richtige Musik mit klar erkennbarer Melodie, sondern lediglich eine Art „Geräuschkulisse“: Beispielsweise eine Sound-Collage aus ächtzenden, undefinierbaren Klängen, tiefen anschwellenden Tönen, einem immer wiederkehrenden Heulen, kleinen Glöckchen und unheilvollem Wind. Diese Klangflächen wirken unheimlich und erzeugen Gänsehaut.

They Come From The Dark (MF-778) eignet sich hier als anschauliches Hörbeispiel.

Psycho Strings

Ein wirklich altes musikalisches Klischee in der Horror-Musik: Die Psycho Strings. Diese altbewährten kratzigen, schrillen Violin-Klänge erlangten ihren Ruhm durch Alfred Hitchcocks Film „Psycho“. Auch Tremolo-Violinen sind in Horrorfilmen alte Bekannte, die eine schaurige, angespannte Stimmung in uns aufkommen lassen.

Ein Beispiel für schaurige Tremolo-Violinen ist der Soundeffekt „String Tremolo Movement“ (S-816) aus unserem Soundpool.

Sicherlich gibt es noch eine Vielzahl anderer Varianten, die von Filmmusik-Produzenten eingesetzt werden, um uns in freudige Angst zu versetzen. Diese 5 typischen Klischees erklären aber schon mal eine ganze Menge der Gänsehaut, die bei uns auf akustischem Wege erzeugt wurde.

Weitere Klangbeispiele für Musik mit Gänsehaut-Charakter gibt es bei musicfox in der Rubrik Horror-Musik. Die Musik ist selbstverständlich gemafrei und kann für den Einsatz in Filmen, Hörbüchern, Buchtrailern usw. lizenziert werden.

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